Jugendstil trifft byzantinisch geprägte Marienikonografie auf der Fassade der Kitzmantelvilla
Wer an der Kitzmantelvilla vorbeigeht, entdeckt an der Fassade ein besonderes Detail: Direkt beim Eingang befindet sich ein fein gearbeitetes Relief der Gottesmutter mit dem Jesuskind, begleitet von zwei Engeln. Die griechischen Zeichen „ΜΡ ΘΥ“ und „ΙC ΧC“ stehen für „Mutter Gottes“ und „Jesus Christus“ und weisen auf die byzantinische Bildsprache hin.
Warum dieses besondere Motiv an der Villa angebracht wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen. Eine Erinnerung aus der Familie Kitzmantel gibt aber einen interessanten Hinweis. Helena Ahrer, geborene Stenz (1943) und Enkelin des Erbauers Cajetan Kitzmantel, kennt das Bildnis seit ihrer Kindheit. Ihre Großmutter sei tief religiös gewesen.
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Architektonischer Hintergrund und fest verwurzeltem Glauben
Die Villa entstand um 1913 bis 1915, in einer Zeit, in der sich Künstler und Architekten des Jugendstils und der Wiener Secession intensiv mit älteren Kunstformen beschäftigten. Besonders die byzantinische, mittelalterliche und sakrale Kunst lieferte neue Ideen. Stilisierte Darstellungen, Ornamente und eine flächige Gestaltung wurden mit der modernen Architektur verbunden.
Diese Mischung findet sich auch im Vorchdorfer Relief: Jugendstilarchitektur trifft auf byzantinisch geprägte Marienikonografie. Auffällig ist zudem seine Lage direkt beim Eingang. Es könnte damit nicht nur Schmuck gewesen sein, sondern auch ein religiöses Zeichen für Schutz und Fürsprache von Haus und Familie.
Die Kitzmantelvilla steht unter Denkmalschutz und befindet sich mittlerweile im Eigentum der Marktgemeinde Vorchdorf. Als Kulturvilla hat sie heute eine neue Aufgabe. Das kleine Marienrelief hat die Zeiten überdauert und gehört zu einem Stück Vorchdorfer Geschichte.