Im Sternwald weht der Wind für eine gute Sache!

Über 50 Teilnehmer besuchten auf Einladung der KEM Traunstein und KEM Vöckla-Ager den Windpark Sternwald
Über 50 Teilnehmer besuchten auf Einladung der KEM Traunstein und KEM Vöckla-Ager den Windpark Sternwald (Foto vorchdorfmedia)

Im Mühlviertler Grenzgebiet zeigt sich, was möglich ist 

Was kann entstehen, wenn Menschen gemeinsam an eine Idee glauben und bereit sind, dafür auch selbst Verantwortung zu übernehmen? Eine beeindruckende Antwort darauf gibt der Windpark Sternwald bei Vorderweißenbach, direkt an der Grenze zu Tschechien. 

Über 50 Teilnehmer besuchten auf Einladung der KEM Traunstein und KEM Vöckla-Ager den Windpark Sternwald – ein Projekt, das vor mehr als 20 Jahren aus einer Bürgeridee entstand und bis heute von vielen Menschen getragen wird. Bereits im Mai 2026 fand eine erste Tour „Windradl schauen“ statt. Die September-Tour hat erneut Christian Hummelbrunner hat gemeinsam mit Sybille Chiari organisiert. Durch den Windpark führte Andreas Reichl, der Windkraft-Pionier und Geschäftsführer der Sternwind Errichtungs- und Betriebs-GmbH. 

Das Besondere am Sternwald: Der Windpark wurde nicht von einem großen Konzern errichtet, sondern entstand durch regionale und überregionale Bürgerbeteiligung. Viele private Kapitalgeber machten die Umsetzung möglich. Und die Unterstützung ist geblieben. Auch nach mehr als 20 Jahren steht die Bevölkerung weiterhin hinter dem Projekt. „Wir dürfen nicht nur demonstrieren, sondern müssen auch was tun“, bringt Andreas Reichl seine Grundhaltung auf den Punkt.  

Vom Religionslehrer zum Windkraft-Pionier

Reichl ist eigentlich Religionslehrer. Die ersten Überlegungen für den Windpark entstanden Mitte der 1990er-Jahre, auch vor dem Hintergrund der damaligen Diskussion um das Atomkraftwerk Temelín in Tschechien. 1996 begannen die ersten Windmessungen, 2003 ging die erste Windanlage ans Netz, weitere folgten 2005 und 2016. Heute stehen neun Anlagen mit knapp 20 MW Leistung im Sternwald. Inmitten von Bäumen und umgeben von Rad- und Wanderwegen.  

Für Reichl war und ist das Projekt aber nie nur eine technische Angelegenheit. Für ihn stellt sich auch eine grundsätzliche Frage: Wie gehen wir mit den vorhandenen Ressourcen um? Wie kommen wir von der Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle weg? Nachhaltige Energiegewinnung ist für ihn deshalb auch eine Frage der Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.

Fakten statt Schlagzeilen

Bei der Führung konnten die Teilnehmer viele Fragen direkt mit Reichl diskutieren: Wie viel Fläche braucht ein Windrad tatsächlich? Was passiert mit dem Wald? Welche Auswirkungen gibt es auf Tiere? Wie viel Strom wird produziert? Und wie kann die vorhandene Infrastruktur möglichst gut genutzt werden?

Gerade bei diesen Fragen wurden zahlreiche Annahmen und Befürchtungen, die in der öffentlichen Diskussion kursieren, anhand konkreter Zahlen und der Erfahrungen aus mehr als 20 Jahren Betrieb besprochen.

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// Fortsetzung //

Hybride Stromversorgung als Zukunftsmodell

Interessant ist auch die mögliche Weiterentwicklung: Die bestehende Stromleitung könnte durch eine Kombination von Windkraft und Photovoltaik noch besser genutzt werden. So wären zusätzlich rund 8,3 MW PV-Leistung möglich. Wind und Sonne könnten sich dabei bei der Stromerzeugung ergänzen.

Der Sternwald zeigt damit nicht nur, was technisch möglich ist. Er zeigt auch, was entstehen kann, wenn viele Menschen gemeinsam ein Ziel verfolgen und bereit sind, selbst etwas dafür zu investieren. Nicht umsonst hat sich rund um die Windkraftanlage eine der größten EEGs mit über 830 Mitgliedern entwickelt.   

Windkraft funktioniert - ganz konfliktfrei in OÖ

Gerade im Vergleich zu den heute teils sehr emotional geführten Diskussionen über neue Windkraftprojekte und Ausschluss-Zonen war der Blick auf ein seit mehr als 20 Jahren bestehendes Projekt interessant. Und es zeigt, dass sich Windpark, Tourismus, Waldbewirtschaftung und Lebensqualität vereinbaren lassen. Und gleichzeitig eine ganze Region dahintersteht. 

Eine interessante Rechnung zum Abschluss: Insgesamt wurden im Windpark Sternwald bereits rund 660 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht den Jahresstrom für etwa 220.000–244.000 E-Autos. Rein rechnerisch könnte man damit 3,7 Jahre lang alle momentanen Elektroautos in OÖ (62.700 Fahrzeuge, Jahresfahrleistung 15.000 km) versorgen. 

Und noch eine Erkenntnis aus der Exkursion: Der Jahres-Stromverbrauch Oberösterreichs lag 2024 bei rund 13,91 TWh. Davon stammten laut der Infos der KEM bereits rund 91,5 % aus erneuerbaren Energieträgern. Der verbleibende fossile Stromanteil entspricht etwa 1,18 TWh – dafür wären bilanziell noch rund 80 Windkraftanlagen erforderlich. Damit könnte man die Lücke schließen. Und der viel befürchtete Flächenbedarf dafür entspricht einer versiegelten Autobahnlänge von Vorchdorf nach Eberstalzell. 

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